Gruppenarbeit

PROZESS: Besuch bei Laurence Douny von Matters of Activity (II)

27.03.2025, Berlin

Der nächste Stopp unserer Exkursion brachte einen wichtigen Perspektivwechsel mit sich, weg von biologischen Materialpraktiken hin zu anthropologischen Erkenntnissen über Materialien, Herstellung und Bedeutung. Mareike Gast eröffnete erneut die Sitzung und stellte diesmal die Arbeit von Laurence Douny vor, einer Anthropologin und Archäologin, die dem Cluster „Matters of Activity“ an der Humboldt-Universität zu Berlin angehört. Laurences Vortrag mit dem Titel „What is in a Dye?” (Was steckt in einem Farbstoff?) untersuchte aus interdisziplinärer Sicht die Praktiken des Färbens mit Schlamm. Auf der Grundlage ihrer Feldforschung und Kulturforschung stellte sie den Fall von Ga vouwo vor, einem traditionellen Schlammfarbstoff aus Westafrika. Laurence lud uns ein, das Material nicht nur als statisches Produkt zu betrachten, sondern als lebendigen Knotenpunkt innerhalb komplexer sozialer, ökologischer und spiritueller Systeme. In ihrer Arbeit stellte sie die Frage: Wie erleben und gestalten verschiedene Akteure (Menschen, Mikroorganismen, Mineralien) den Farbstoff mit? Sie beschrieb den Vorgang des Färbens als Schnittstelle von Wissen, Erinnerung und Tradition, geprägt von den Interaktionen zwischen Menschen, Orten, Materialien und Techniken. In ihrer Analyse wird der Farbstoff zu mehr als nur Farbe; er wird zu einer lebendigen Praxis, die von kultureller Resonanz und ökologischer Sensibilität geprägt ist. Laurence betonte, dass Nachhaltigkeit nicht nur in technischer oder ökologischer Hinsicht verstanden werden muss, sondern auch im Sinne kultureller Nachhaltigkeit – der Beständigkeit und Anpassung von Wissenssystemen über Generationen hinweg.  Ihre Präsentation forderte uns dazu auf, zu hinterfragen, wie wir als Designer mit Materialien umgehen: Respektieren wir ihre Lebensgeschichte? Sind wir uns ihrer Wirkungsweise, ihres eingebetteten Wissens und ihrer ökologischen Verflechtungen bewusst? Der Vortrag endete mit einer lebhaften Diskussion über die Wirkungsweise von Materialien, das gemeinsame Designen mit der Natur und die Schnittstellen zwischen Handwerk, Tradition und zeitgenössischem Design. Die Studierenden reflektierten darüber, wie die Erkenntnisse aus den Traditionen des Lehmfärbens in ihre eigenen Projekte zur mikrobiellen Fabrikierung einfließen könnten, und wurden dazu angeregt, sich der Materialentwicklung mit mehr Demut, Kontextbewusstsein und Offenheit gegenüber nicht-menschlichen Kooperationspartnern zu nähern.