Gruppenarbeit

PROZESS: Besuch bei Lynn Harles im Botanischen Garten Berlin

25.03.2025, Berlin

Am Dienstagnachmittag trafen wir uns mit Lynn Harles im Botanischen Garten Berlin. Sie ist Designforscherin und arbeitet an der Schnittstelle von Design und Naturwissenschaften. In ihren Arbeiten untersucht sie die Rolle von Gestaltung im Kontext des Anthropozäns. Dabei hinterfragt sie, wie Gestaltung in Zukunft verantwortungsvoll und reflektiert eingesetzt werden kann. Während des Rundgangs durch den Garten vermittelte Lynn Harles ihre Begeisterung für naturwissenschaftliche Zusammenhänge. Anhand verschiedener Beispiele erklärte sie das Konzept des anthropozänen Weltbildes. Sie wies darauf hin, dass unser menschenzentriertes Verständnis von Natur und Wissenschaft kritisch betrachtet werden muss. Denn es bedarf eines raschen Perspektivwechsels, um nachhaltige und zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln. Ein weiterer Schwerpunkt der Führung lag auf der Geschichte des botanischen Gartens. Lynn Harles erläuterte, wie sich die Funktion im Laufe der Zeit verändert hat. Sie beschrieb die Rolle der Gärten im kolonialen Kontext, in dem Pflanzenwissen und Ressourcen systematisch aus anderen Regionen angeeignet wurden. Des Weiteren erklärte sie den wissenschaftlichen Nutzen zur Erforschung und Sammlung von Pflanzen und die Kultivierung von Heilpflanzen für medizinische Zwecke. Besonders eindrucksvoll war die Darstellung der Anpassungsfähigkeit von Pflanzen. Trotz ihrer Ortsgebundenheit haben sie im Laufe der Evolution vielfältige Lösungen entwickelt, um sich an Umweltbedingungen anzupassen. Am Beispiel von Kakteen wurden die Wachstumsstruktur, die Funktion ihrer Stacheln sowie ihre Strategien zum Schutz vor Fressfeinden erläutert. Pflanzen sind hochkomplexe Organismen, die über verschiedene Mechanismen verfügen, um miteinander zu kommunizieren und auf äußere Reize reagieren zu können. Einige Pflanzen sind zudem in der Lage, Umweltreize zu speichern und zukünftige Reaktionen darauf auszurichten. Andere nutzen wiederum Botenstoffe und Ultraschallwellen zur Kommunikation und Warnung vor Fressfeinden. Abschließend stellte Lynn Harles eine zentrale Frage in den Raum, welche wir uns als Gestalter:innen regelmäßig stellen sollten: Was können wir von der Natur lernen und was sollten wir ihr im Gegenzug zurückgeben?