Philosophie im öffentlichen Raum des 21. Jahrhunderts

GASTVORLESUNG & KOMPAKTSEMINAR (2 SWS)
Chris Roser, M.A.
Einführungsvortrag am 5. Dezember, 19:30-21:00 Uhr (in Raum 102, Neuwerk 7)
Kompaktseminar (im Schleifweg 6), 6., 9.,10.,11. und 12. Dezember im Schleifweg 6, 10-14 Uhr (Seminar), 15-18 Uhr (Zeit für Lektüre und Konsultationen); 18-20 Uhr (Plenumsdiskussion zu einzelnen Filmen oder anderen Kunstwerken)
Orte: Neuwerk 7 (Raum 102) und Schleifweg 6 (Großer Seminarraum)

Für den Master Kunstwissenschaften (Modul 3: Reflexive Praktiken; Kompaktseminar mit 2 SWS). Fakultativ möglich auch für Master Design Studies.

Straßenszene in Rom, vor dem Forum Romanum und nur wenig entfernt von der alten Rednerbühne, der berühmten Rostra. 2019 © Mirjam Schaub

Einstweilen, bis den Bau der Welt // Philosophie zusammenhält, //

Erhält sie das Getriebe // Durch Hunger und durch Liebe.

Friedrich Schiller

 

Die Wurzeln der Philosophie liegen in Gesprächen auf öffentlichen Straßen und Plätzen. Es sind schließlich Gedanken, Fragen, und Probleme, die Philosophie anstoßen, hervorrufen und am Leben halten. Doch das Verhältnis von Philosophie und Öffentlichkeit ist von Anfang an von Spannungen geprägt. Denn, sobald Philosophie den Schutzmantel der Wissenschaftlichkeit lüftet, ist klar, dass sie über die zentralen Themen des Lebens spricht, und selbst eine radikale Lebensform darstellt. So stellt die Philosophie einen radikalen Anspruch an jeden einzelnen Menschen. Durch Ihr Hinterfragen, fordert sie den Einzelnen und die Gemeinschaft heraus, mitunter bis zum körperlichen und geistigen Exzess. Gespiegelt in der Unbedingtheit der Philosophie sieht sich die so herausgeforderte Öffentlichkeit selbst in einer oft erschreckenden, unvertrauten Weise.

Worin liegt der Schlüssel für ein gutes, selbstbestimmtes und kritikfähiges Leben? Muss man weltabgewandt leben – schamlos, arm und asozial wie der ‚hundegleiche‘ Kyniker Diogenes von Sinope – oder gibt es ein reflexives Leben in der Gemeinschaft? Das Schicksal des Sokrates markiert den schmalen Grat zwischen dem sozialen Gebrauch der Philosophie im Dialog und den Zumutungen der Philosophie inmitten des öffentlichen Lebens. Kurz bevor sein Todesurteil gefällt wird, macht Sokrates klar, dass er nicht aufhören wird in der Öffentlichkeit philosophische Gespräche zu führe, nur um sein Leben zu retten, denn Philosophie gehört in die Öffentlichkeit. Ihre Mittel sind das (Wider)wort, der Zweifel, Kritik und bohrende Selbstbefragung. Doch auch umgekehrt gilt: die philosophische Auseinandersetzung braucht die Öffentlichkeit, sie ist das Elixier, das sie lebendig hält. Wie lässt sich vermeiden, dass die Philosophie sich nach der Wirksamkeit in der Öffentlichkeit zu strecken beginnt? Wie lassen sich Philosoph/in und Sophist/in damals wie heute zuverlässig unterscheiden?

In diesem Kompaktseminar, dem einleitender Gastvortrag und ein (fakultativer) Workshop an die Seite gestellt sind, wollen wir das Verhältnis der Philosophie zur Öffentlichkeit unter den Bedingungen der Gegenwart untersuchen. In den Vormittagssitzungen lesen und diskutieren will sowohl einige der öffentlichkeitswirksamen PhilosophInnen der Gegenwart, wie Wilhelm Schmidt, Cornel West, Sarah Ahmed, und Byung-Chul Han, als auch jenen ,älteren’ PhilosophInnen, welche neue öffentlichkeitswirksame Philosophie anstiften, wie z.B. Adorno, Foucault, Nussbaum, oder Butler. In eigenen Abendsitzungen betrachten wir fünf Tage lang wichtige Themen der gegenwärtigen Philosophie, wie sie in Kunst und Film behandelt werden, z.B. bei der Künstlerin Adrian Piper oder dem Theatermacher Milo Rau.

Dabei wollen wir uns Frage stellen wie: Wie versuchen sich die PhilosophInnen mit den Mitteln der Mündlichkeit ihren Weg in die Herzen und Köpfe der Menschen zu bahnen um auf der Straße, am Saalestrand, im Technoclub, im Volkspark zu bestehen? Und versuchen sie es wirklich? Welche Medien kann die Philosophie dafür wählen und wie verhält sie sich zu künstlerischen Medien? Und welche Themen der Philosophie sind es die die Öffentlichkeit heute wirklich interessieren? Aber wir stellen uns auch die Frage ob die Philosophie ihren eigenständigen Blick behalten und vermeiden kann nur plakativ zu sein, wenn sie in Philosophiemagazinen und Filmvorhaben (wie Streetphilosophy von ‘arte’) versucht öffentlichkeitswirksam zu sein. Wie stellt sie sich, in ihrer Liebe zu den zeitlosen Themen, wie Sterblichkeit, Liebe, Glück, Moral, und das Schöne, den zentralen Problemen und Aufgaben der Gegenwart?

Wir wollen uns in das Spannungsverhältnis zu begeben zwischen den ewigen Anspruch auf Wahrheit und der Notwendigkeit, jetzt zu handeln und zu sprechen. Wie können wir uns jetzt integer und offen im öffentlichen Raum streiten, im vollen Respekt der Freiheit der Andersdenkenden gegenüber? Unser Ziel ist es, auf einem reflexiven Weg eine begründete Haltung gegenüber der Welt, anderen Wesen, und vor allem uns selbst zu suchen. Wir wollen lernen, uns in öffentlichen Räumen denkerisch zu bewegen diese mitzugestalten. Come join us!

Es findet eine Vorbereitungsgespräch am Mittwoch, 16. Oktober 2019 um 14:15 Uhr über Skype im Schleifweg 6 im Zimmer von Prof. Dr. Schaub statt.

Um eine formlose kurze Voranmeldung per E-mail wird gebeten: philosophyinpublic@gmail.com. 

 

Für mehr Informationen: sites.google.com/view/philosophyinpublic/startseite

 

Name der Lehrenden / Name of Teacher

Chris Roser, M.A.

 

Veranstaltungsart und -methodik / Teaching and working methods 
Kompaktseminar mit öffentlichem Einführungsvortrag

 

Verwendbarkeit / Applicability 
Kunst: Fachwissenschaft Philosophie

Kunst (Lehramt): Philosophie (WK-PhG)

Kunstpädagogik (Diplom): Philosophie

MA Kunstwissenschaften: Modul 3 Reflexive Praktiken

 

Lernziel, Qualifikationsziele / Objectives, Learning Outcome für den Master Kunstwissenschaften

  • anhand einer tätigen Verbindung aus Theorie und Praxis wird sowohl auf das Projekt (Modul 5) wie auf die Masterarbeit (Modul 8) vorbereitet.

  • exemplarisches Lernen anhand der Bindung der Umsetzung eigener Ideen, Konzepte und Anliegen

  • Auslotung von Chancen und Grenzen der jeweiligen reflexiven Praktiken im Vollzug

  • Bildung eigener Schwerpunkte aus kunstwissenschaftlichem, philosophischen oder kunstpädagogischen Anwendungsfeldern

 

Beurteilung / Assessment 

Studierende der Kunst: unbenotete Teilnahme oder Leistungsschein (Hausarbeit oder mündliche Prüfung)

Studierende Master Kunstwissenschaften: Teilmodulleistung (unbenotete Präsentation) oder Modulprüfung mit Teilnahme (T), Hausarbeit (H) oder mündliche Prüfung (M)

 

Verwendbarkeit / Applicability 

MA Kunstwissenschaften: Modul 3 Reflexive Praktiken

 

Zugangsvoraussetzung / Prerequisites
keine

 

Umfang in SWS / Semester periods per week

2

 

Häufigkeit, Dauer und Termine, Ort des Angebots / Appointed time and location
Einführungsvortrag: 5. Dezember, 19:30-21:00 Uhr (in Raum 102, Neuwerk 7)

Kompaktseminar (im Schleifweg 6): 6., 9.,10.,11. und 12. Dezember im Schleifweg 6, 10-14 Uhr (Seminar), 15-18 Uhr (Zeit für Lektüre und Konsultationen); 18-20 Uhr (Plenumsdiskussion zu einzelnen Filmen oder anderen Kunstwerken)

Orte: Neuwerk 7 (Raum 102) und Schleifweg 6 (Großer Seminarraum)

 

Lecturer

  • Prof. Dr. Mirjam Schaub

Lecturer

  • Prof. Dr. Mirjam Schaub